Mit den immer schnelleren Internetverbindungen ist nicht nur seit gestern das Thema Cloud ganz heiß diskutiert und in aller Munde. Viele Anbieter tummeln sich im Internet mit unterschiedlichen Angeboten, die den heimischen Anwender locken sollen. Auch Amazon, immerhin einer der größten Cloudanbieter der Welt, hat einen Dienst für Privatanwender. Seit 2016 gibt es bei Amazon Deutschland auch einen Tarif mit unlimitiertem Speicherplatz. Mit einer unkomplizierten Registrierung kann sich für einen günstigen Jahresbetrag von 70€ (Stand April 2017) das Angebot sichern.

Grundsätzlich

Das Angebot richtet sich nur an Privatanwender. Firmenkunden müssen (und wenn sie aus Deutschland kommen ganz dringend!) sich einen anderen Anbieter suchen. Anbieter ist Amazon, welcher schon seit einiger Zeit mit der unlimitierten Cloud in den USA unterwegs ist. Das Angebot in Deutschland startete 2016. Da das Angebot an sich sehr gut anhört, habe ich mich dazu entschlossen auch einige Zeit den Anbieter zu testen.

AGB

Häufig tendiert man im Internet dazu einfach alles zu akzeptieren (aka wer ließt schon das Kleingedruckte). Aber spätestens beim Umgang mit den persönlichen Daten sollte man ein wenig aufmerksamer werden. Ich selber bin sicherlich kein Datenschutzprofi und einige der hier angesprochenen Punkte sind vielleicht auch absolut gerechtfertigt – aber es geht am Ende um die eigenen Daten. Du solltest also selbst entscheiden, ob entsprechende Bedingungen für dich OK sind.

Was fällt also bei den Bedingungen zu erst auf?

Punkt 3.3 beinhaltet eine Erklärung, dass man alle seine Daten zur Nutzung für Amazon freigibt, um:

Ihre Dateien zu Sicherungszwecken zu kopieren, Ihre Dateien zu modifizieren, um den Zugriff in verschiedenen Formaten zu ermöglichen, Informationen über Ihre Dateien zu nutzen, um diese für Sie zu organisieren und auf Ihre Dateien zuzugreifen, um technischen Support bieten zu können.

Gleichzeitig wird unter Punkt 3.3 auf die Datenschutzerklärung verwiesen. In dieser wird auf das Thema Cloud nicht weiter eingegangen. Was man aber insbesondere in Bezug auf Cloudspeicherplatz bedenken sollte: Es ist bei Amazon nicht klar, wo die Daten gespeichert werden. Das könnte in einem der europäischen Rechenzentren sein (z.B. Frankfurt oder Dublin) oder auch in US-amerikanischen. Dann kann es passieren, dass die strengeren Gesetze in der EU nicht viel helfen.

Weiterhin ist Punkt 5 interessant. Amazon hält sich das Recht vor, den Dienst jederzeit zu verändern oder zu schließen. Zwar würde man in einem solchen Szenario sein Geld anteilig zurückerhalten, aber je nach Situation vielleicht nicht mehr seine eigenen Daten herunterladen können. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eher gering ist. muss man anmerken, dass Amazon schon Kundenkontos gesperrt hat, ohne weiterhin den Nutzern Prime zur Verfügung zu stellen – wofür sie schlussendlich aber auch bezahlt hatten. Eine weitere wichtige Passage ist:

Wir können die Vereinbarung jederzeit und im eigenen Ermessen beenden oder Ihre Nutzung des Services beschränken, zeitweilig einstellen oder beenden, auch wenn wir feststellen, dass Ihre Nutzung die Vereinbarung verletzt, missbräuchlich ist, von einer normalen Nutzung durch andere Benutzer abweicht oder diese übersteigt oder auf andere Weise mit Betrug oder Missbrauch des Services verbunden ist oder unsere Interessen oder denen eines anderen Nutzers des Services schadet. Wenn Ihr Servicepaket beschränkt, zeitweilig eingestellt oder beendet wird, können Sie möglicherweise nicht auf Ihre Dateien zugreifen und Sie erhalten keine Rückerstattung von Gebühren oder eine anderweitige Entschädigung.

Wenn man sich die Passage durchliest, erkennt man, dass Amazon jederzeit ohne Angaben von Gründen das Kundenkonto schließen kann. Des Weiteren erlaubt man sich, sollte eine „nicht normale Nutzung“ vorliegen, dass Kundenkonto zu schließen – ohne Recht auf den Zugriff auf seine Daten oder eine anderweitige Erstattung. Mir selbst wurde die Cloud temporär geschlossen, nachdem ich mit einer externen Applikation anscheinend zu viele Request in einer zu kurzen Zeit verursachte. Erst nach Kontaktaufnahme mit dem Support wurde mein Konto wieder freigegeben. Diese Probleme hatte ich zum Beispiel bei Google noch nie. Des Weiteren ist „normale Nutzung“ nicht definiert. Sind 2 TB noch normal?

Fazit: Ohne nun auf andere Dienste zu verweisen die es ggf. besser machen, sollte man sich in diesem Zusammenhang genau überlegen, welche Dokumente und Filetypen man hochladen möchte. An dieser Stelle möchte Dir Boxcryptor vorschlagen. Damit lassen sich die hochgeladenen Dateien verschlüsseln und sie somit für Amazon unnütz machen. Mehr dazu unter Apps.

Apps

Es gibt für Windows und MacOS entsprechende Synchronisationsapplikationen. Auf meinen Windowsrechnern funktionierte die Software okay. Die Synchronisation kann durch die langsame Verarbeitung der einzelnen Files schon ab und zu recht lange dauern. Immerhin kann man selbst einstellen wie viel Bandbreite und gleichzeitige Verbindungen man für Up- und Downloads nutzen möchte. Ansonsten ist die Software sehr rudimentär gehalten, viele Funktionen die man von anderen Anbietern kennt, gibt es bei Amazon nicht (z.B. Dropbox Badge und ähnlich). Man kann noch die zu synchronisierenden Ordner auswählen, um so z.B. große Backup-Dateien auf der lokalen Festplatte nicht weiter zu behalten. Der Speicherort wird bei der Installation gewählt, mehrere unterschiedliche Ordner vom gleichen Rechner sind allerdings nicht möglich.

Für Mobilgeräte gibt es bei Android wie auch iOS zwei Apps. Für die reine Synchronisation von Bildern gibt es die App „Prime Photos“. Wenn man darüber hinaus auch auf andere Daten zugreifen will, kann die „Amazon Drive“-App genutzt werden. Dieser fehlen aber einige Kleinigkeiten, um wirklich gut zu sein. So ist es zum Beispiel nicht möglich, bei einer PDF in das Dokument zu zoomen.

Wenn Du jetzt noch andere Dinge mit dem Cloudspeicher vor hast, gibt es noch einige andere Möglichkeiten. Zum Beispiel bietet sich NetDrive oder ExpanDrive an. Beide Apps mounten die Amazon Cloud als Netzwerkfestplatte oder lokaler Datenträger ein. Somit ist es möglich, die Daten wie bei der heimischen Festplatte einfach zu benutzen. Allerdings kosten beide Apps Geld und die Performance kann insbesondere bei größeren Dateien zu Problemen führen. Ich habe in dem Zusammenhang das Streamen einer mkv-Datei probiert und hatte sehr häufiges Buffern. Für kleinere Dateien sollte dies aber weniger ein Problem sein.

Da die Amazon Cloud aufgrund des unlimitierten Speicherplatzes sehr beliebt ist, gibt es noch weitere Anwendungen. Einige mit dem Ziel die Standardanwendung von Amazon zu ersetzen. Auch das Thema Plex Cloud (geht nicht mehr mit Amazon Cloud) oder entsprechende Linux-Applikationen für die Einbindung eines verschlüsselten, virtuell gemounteten Datengrabs für Plex oder Kodi. Hier sei aber gesagt, dass Performance ein wichtiges Thema ist.

Die Weboberfläche ist höchstens als „ok“ zu beschreiben. Einfache Funktionalitäten wie das Verschieben eines Ordners geht nur mit erhöhtem Aufwand (Ordner/Datei markieren, „Verschieben“-Funktion klicken und neuen Ordner raussuchen). Streamen von Dateien mit einer Größe über 2 GB ist ebenfalls nicht möglich.

Performance

Wichtig bei Cloudanbietern ist die Geschwindigkeit bei Up- und Download. Wo heutzutage, insbesondere durch die Kabelanschlüsse hohe Downloadraten zu verzeichnen sind, ist die Uploadgeschwindigkeit häufig noch ein Problem. Aktuell besitze ich ca. 50 Mbit/s im Upload und kann diese leider nicht immer auslasten. Im Schnitt schaffe ich ca. 30 Mbit/s. Das ist für den Upload von Fotos (z.B. JPG) oder Office-Dokumenten ausreichend. Sollte aber Interesse am Upload von größeren Dateien bestehen, kann sich dies schon in die Länge ziehen. Wenn Du nun Interesse an Amazon Cloud bekommen hast, würde ich Dir die entsprechende Testlaufzeit empfehlen. Da ich bei der Telekom bin, kann es bei anderen Anbietern durch besseres Routing komplett aussehen. Eigene Tests sind hier also angebracht.

Ein weiteres Thema ist die Verarbeitung von Daten und der zügige Abruf dessen. Ein Abruf von Bildern geht einigermaßen schnell, der Abruf einer 23 KB großen PDF-Datei hat bei meinem Test allerdings gute 5 Sekunden benötigt. Für ab und zu aufrufen im Webbrowser reicht das aus, wenn man aber einige Dateien lesen muss und das schnell hintereinander, kann das schon mal zu nervenden Pausen kommen.

Wenn Du nun denkst „unlimitierter Speicherplatz + Kodi (oder Plex etc.) = Win“ kann ich Dich absolut verstehen! Nach nun aber einiger Zeit des Rumprobieren und auch des tatsächlichen Streamen, sind meine Erfahrungen aber eher nüchtern: Die Amazon Cloud für Privatanbieter ist nicht sehr schnell. Und spätestens bei großen Bibliotheken mit vielleicht 10TB und mehr und dazu ganz vielen kleineren Serienepisoden kann das Kundenkonto schnell auch mal gesperrt werden. Immerhin ist jedes Öffnen eines Ordners, scannen einer Datei etc. ein Request. Passieren muss nichts, es kann aber.

Fazit

Für wen ist denn nun die Amazon Cloud was? Schwer zu sagen, da die reinen Daten wie zum Beispiel Speicherplatzmenge und Umfang der vorhandenen Apps für den „Profi“-User sprechen. Anderseits spricht der geringe Preis für den User, der nicht viel braucht und die Performance nicht ausschlaggebend ist. Die AGB sind aber dann ggf. für den datenschutzbewussten Anwender nichts.

Folgende Anwendungsbereiche sind für mich in Verbindung mit Amazon Cloud valide:

  • Preisbewusster Anwender ohne sensible Daten
  • Profi mit dem Wissen rund um Verschlüsselungen und der Verwendung von entsprechenden Anwendungen

Es gibt sicherlich bessere Anbieter auf dem Markt, allerdings ohne unlimitierten Speicherplatz. Wer unbedingt seine Multimediabibliothek (woher auch immer die Daten kommen) mit mehreren TB im Internet speichern will, sollte sich seinen eigenen Server bei Seedhost oder eine StorageBox bei Hetzner besorgen.