Wenn Du in Neubauten lebst, kannst Du je nach Region häufig schon auf Glasfaseranschlüsse zurückgreifen. Auch in Genossenschaftswohnungen in Hamburg und Norderstedt mit willy.tel/wilhelm.tel oder in anderen Regionen Deutschlands mit der „Deutsche Glasfaser“ oder lokalen Anbietern wird die Glasfaser schon in die Häuser gebracht. Auch Kabelanbieter finden immer mehr Möglichkeiten die Download-Geschwindigkeit des Koaxialkabels zu erhöhen – der nächste Geschwindigkeitsboost wird durch Docsis 3.1 eingeleitet – und solange die Kabelsegmente vernünftig ausgebaut werden, sollten die hohen Geschwindigkeiten auch bei höherer Auslastung erreicht werden.

Wenn Du jetzt nicht das Glück hast, in diesen Regionen zu wohnen und nur das alte Kupferkabel bis in die Wohnung hast, geht durch Vectoring bis zu 100 Mbit/s. Der Ausbau wird aktuell durch die Telekom und anderen lokalen Anbietern vorangetrieben. Viele Menschen haben aber nicht das Glück auf eine solche Leitung zurückzugreifen – oder 100 Mbit/s reichen für die eigenen Anwendungen nicht aus. Seit Dezember 2014 bietet die Telekom für Kunden den Hybrid-Boost – solange LTE ausgebaut ist und die Kapazitäten nicht ausgelastet sind. Andere Anbieter planten einige Zeit diese Technologie (z.B. Vodafone), haben aber bis jetzt kein Produkt auf den Markt gebracht und werden dies sehr wahrscheinlich auch nicht mehr.

Ich habe in meiner Wohnung einen DSL 50 Anschluss der Telekom die auch vollständig anliegen. Da mein Bedarf an Geschwindigkeit schon 2014 stark anstieg – durch zum Beispiel neue Cloud Speicher mit bezahlbaren Speichermengen – sprang ich im Dezember direkt noch in der Betaphase auf den „Hybrid“-Zug auf. Ich nutze nun also über zwei Jahre diese Technologie. Zeit für eine Zusammenfassung.

Aufbau

Die Telekom bietet einen Speedport Hybrid (SPH) zu den Hybridtarifen an. Dieser kostet monatlich 10€ – alternativ ist auch ein Kauf möglich, dann sind aber über 300€ zu bezahlen. Auf eBay und Co. geht es ggf. noch ein wenig günstiger. Meine Empfehlung ist aber klar die Miete, falls mal was mit dem Router sein sollte, ist der Austausch schnell und unkompliziert. Der SPH hat die notwendigsten Funktionen, wenn Du aber feinere Einstellungen vornehmen möchtest, solltest Du ggf. ein Gerät anschließen und den SPH als reines Modem verwenden.

Da mir die Funktionen ausreichen, habe ich den SPH mit einem extra langen (beiliegend) DSL-Kabel (TAE RJ45 flach) an eine günstige Position am Fenster gestellt. Da die Antenne im SPH eingebaut ist, ist hier leider möglichst Sichtkontakt mit dem LTE-Mast herzustellen. Sobald der SPH ein wenig mehr „versteckt“ wird, sinkt die Empfangsleistung und somit auch die stabile Verbindung/die Datenraten. Da ich in meiner Wohnung keine zufriedenstellende Position gefunden hatte, bin ich schlussendlich auf eine externe Antenne umgestiegen. Die habe ich mehr oder wenig stabil an meinem Fensterbrett angebracht, die Kabel am Fenster in die Wohnung gelegt und dann zum SPH, der über entsprechende Anschlüsse verfügt. Über die Telekom konnte ich den ungefähren Standort des Mastes erfahren und über welche Frequenz dieser sendet. Da die Telekom im 800, 1800 oder 2600 MHz Bereich sendet, musste ich mir eine spezielle Antenne für die bei mir verwendete Frequenz kaufen.

Der Rest wurde klassisch aufgebaut, wie man das mit einem normalen Router auch tut: Geräte über LAN und WLAN angeschlossen.

Geschwindigkeit

Da bei der Hybrid-Lösung zwei Internetzugänge gebündelt werden (mit gleichen Spezifikationen) verdoppelt sich im Normalfall die Download- wie auch Uploadgeschwindigkeit. Glücklicherweise ist der mir zugewiesene LTE-Mast so gut wie nicht ausgelastet und somit kamen bei meiner ersten Hybrid-Version genau diese Leistung auch an. Da die Telekom bei Magenta1-Kunden 2015 LTE Max für Hybridkunden freigeschaltet hatte, wurde die maximale Geschwindigkeit von DSL und LTE gebündelt. Dabei ist der LTE-Traffic immer unlimitiert.

 DSL50DSL50/LTE50 2014DSL50/LTE Max 2015DSL50/LTE Max 2017
Download~50.000 KBit/s~100.000 KBit/s~180.000 KBit/s~160.000 KBit/s
Upload~10.000 KBit/s~20.000 KBit/s~50.000 KBit/s~50.000 KBit/s
Ping~25 ms~35 ms~30 ms~28 ms

Wie man sieht, ging der Ping ein wenig hoch. Grund dafür war der anfänglich leicht überforderte Hybridtunnel, damit jeder Server/Internetdienst den Hybrid-Anschluss als einen reinen DSL-Anschluss (bzw. als einen) wahrnimmt. Die Telekom hat die Kinderkrankheiten aber inzwischen ausgemerzt und der Ping ist inzwischen fast wie vorher (gemessen an offiziellen Steam-Relay-Servern). Da der SPH nur LTE bis 150 Mbit/s unterstützt, wäre theoretisch 200 Mbit/s im Download möglich. Da ich aber in einem dicht besiedelten Gebiet lebe und der Hybridtraffic immer am niedrigsten priorisiert wird, nahm insbesondere bei LTE Max über die letzten Jahre die Geschwindigkeit ab – der Bedarf an LTE-Geschwindigkeit scheint durch bezahlbare LTE-Tarife zu steigen.

Fazit

Die Hybridtechnologie ist für Dich die richtige Wahl, wenn du schnelleres Internet möchtest und an deinem Wohnort keine schnelleren Technologien zur Verfügung stehen. Der Aufbau ist nicht unbedingt in 5 Minuten erledigt und der SPH nicht das Gelbe vom Ei. Wenn Du auf dem unterversorgten Land lebst mit DSL-Light kann es mitunter dazu kommen, dass nur 800 MHz Frequenzen verfügbar sind und Deine Nachbarn ebenfalls LTE nutzen. Damit reduziert sich die realisierbare Geschwindigkeit drastisch. Meine Werte zeigen sicherlich ein optimales Ergebnis.

Die Telekom teilte mit, dass 2017 in Zusammenarbeit mit Huawei ein neuer SPH auf den Markt kommt. Sehr wahrscheinlich kann er mehrere LTE-Frequenzen bündeln und unterstützt SuperVectoring. Mit normalen Vectoring könnten also theoretisch bis zu 400 MBit/s und mit SuperVectoring bis zu 550 MBit/s im Download realisiert werden.

Ich nutze Hybrid sehr gerne, durch die LTE-Verbindung bei DSL-Verlust ist es auch als Backup geeignet. Sollte aber eine Glasfaserversorgung in einer neuen Wohnung bestehen, würde ich jederzeit wechseln.

Beitragsbild von Telekom